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Memminger Wahrzeichen im Allgäu-Lexikon

Lange Zeit galt das Wissen um die sieben Memminger Wahrzeichen als ein Beweis dafür, dass die Gesellen der Zünfte wirklich in Memmingen ihre Lehrzeit absolviert hatten. Sie mussten nämlich jedes der Wahrzeichen aufzählen können und dessen Bedeutung kennen. Ob die heutigen Wahrzeichen von Memmingen die gleichen sind, wie es im Mittelalter der Fall war, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen. Viele der Bauten wurden erst in der Renaissance gebaut und zudem gibt es keine Aufzeichnungen, welche Gebäude damals wirklich als Wahrzeichen halten. In allen alten Dokumenten ist immer nur von den sieben Memminger Wahrzeichen die Rede. Zu den sieben Wahrzeichen gehören: die Wasserkunst, der Gaul in der Wiege, der Basilisk, die blaue Saul, das Siebendächerhaus, die heilige Hildegard und der grüne Teufel von St. Martin.

Die Wasserkunst

Die Wasserkunst ist ein Wassersystem aus dem Mittelalter, mit dem man für die damaligen Verhältnisse ein Meisterwerk geschaffen hat. Die Memmingner Aach wurde dazu über den Stadtgraben geleitet und der Wegbach weitergeführt. Die Wasserkunst wurde mit dem Wasserkunstturm verbunden und wurde durch den Bau der Bahn die Trockenlegung der Wassergräben sowie durch den Abriss der Stadtmauer überflüssig. Im Jahre 1862 wurde sie letztendlich abgerissen. Bis heute erinnert nur noch eine Wasserfalle an die Kunst der damaligen Baumeister.

Der Gaul in der Wiege

Das zweie Wahrzeichen, der Gaul in der Wiege beschreibt eine Geschichte, in der es um eine scheintote Ehefrau geht. Aus einem frischen Grab wollte ein Totengräber die Schmuckbeigaben stehlen und als er den Sargdeckel öffnete richtete sich die Tote auf und fragte ihn, was er denn wolle. Der Totengräber floh und die angeblich Tote ging nach Hause. Ihr Ehemann sagte erstaunt zu ihr, sie könne nicht seine Frau sein, so wenig wie „mein Gaul in der Wiege liegt." Daraufhin schauten sie beide nach und der Gaul lag tatsächlich in der Wiege. Dann durfte die Frau eintreten und die beiden erlebten noch viele glückliche Jahre zusammen. Der Mann ließ zur Erinnerung an diese Geschichte das Gemälde an seinem Haus anbringe. Von diesem heißt es, dass es niemals verblassen darf, da sonst die Frau durch das Haus geistert.

Der Basilisk

Der Basilisk, das dritte Wahrzeichen, soll in einem Haus in der Hinteren Gerbergasse gewohnt haben. Genannt wird er auch der Drache hinterm Engel, was auf das nahegelegene Gasthaus Engel zurück geht. Der versteinerte Basilisk war ein Schlussstein eines Gewölbes des ehemaligen Schottenklosters, dass man im 16. Jahrhundert abgerissen hat. Zu besichtigen ist er heute im Stadtmuseum. In jedem Fall kamen hier viele Menschen durch mysteriöse Umstände ums Leben, was man den Gasen des Basilisken zugeschrieben hat. In Wirklichkeit war es aber eher so, dass die Abortgruben in den Kellern nicht alle drei bis vier Jahre ordentliche gereinigt wurden und die Menschen an deren Gasen verstarben.

Die Blaue Saul

Die Blaue Saul ist eine Säule, die sich auf dem Marktplatz befindet, der auch der Richtplatz des Gerichtsbezirkes Memmingen war. Warum die Säule blau ist, kann niemand genau sagen, allerdings gibt es eine Geschichte, nach der ein Ratsherr nach der Sperrstunde betrunken aus einer Weinstube nach Hause ging. Unterwegs hörte er und seine Begleitung den Nachtwächter am Marktplatz. Die Beleitung stellte den Betrunkenen an die Säule, um den Nachtwächter abzulenken. Als er den Ratsherren abholte, war die Säule durch den blauen Zustand des Ratsherren blau eingefärbt.

Das Siebendächerhaus

Ein weiteres Wahrzeichen ist das Siebendächerhaus, dass den Gerbern zum trocknen der Felle diente. Seinen Namen trägt das Haus aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur, denn es hat sieben Dächer, wobei man den Giebel auch als Dach zählt.

Die heilige Hildegard

Die heilige Hildegard, ein weiteres Wahrzeichen von Memmingen, ist ein Bild am Turm von St. Martin. Ursprünglich sollte es den letzten Staufenkaiser Konradin darstellen, der in Italien sehr jung verstarb. Die Bürger erkannten ihn aber auf dem Bildnis nicht, sondern meinten es sei die damals sehr verehrte heilige Hildegard.

Der grüne Teufel

Das siebente Wahrzeichen von Memmingen ist der grüne Teufel, von dem sich heute leider kein Bildnis mehr in der Sankt-Martin-Kirche befindet, denn es ist seit dem Zweiten Weltkrieg verschwunden. Damals schützte man das Dach der Kirche mit feuerfester Farbe, was Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene erledigen mussten. Sie strichen auch das Fresko an der Stirnwand des Chores mit dieser Farbe und dadurch war der Teufel für immer verloren. In St. Martin gibt es aber noch weitere Teufel und so muss der grüne Teufel so ähnlich ausgesehen haben, wie das Bildnis in der Stiftskirche von Holzgünz. Denn beide Teufel stammen aus der Künstlerfamilie Sichelbein aus Memmingen.


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